Betriebslandkarte
Mit der Betriebslandkarte lässt sich der Ist-Zustand vor Veränderungsprozessen sichtbar machen. Dazu werden die drei Dimensionen: Organisation, Technik und Menschen genauer betrachtet, dazugehörige Inhalte gesammelt und im Team reflektiert. Dieser Prozess stärkt das gemeinsame Verständnis der Ausgangslage und schafft mehr Klarheit über Stärken, Herausforderungen und Erwartungen.
Vorgehensweise
Die Teilnehmenden analysieren gemeinsam die aktuelle Situation des Unternehmens entlang der oben genannten drei Bereiche. Mithilfe strukturierter Fragestellungen werden Stärken, Herausforderungen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar gemacht. Die Ergebnisse werden visualisiert, gemeinsam reflektiert und dienen als Grundlage für die weitere Planung von Veränderungsvorhaben.
Ablauf
Für die Methode sollte ein zeitlicher Rahmen von mindestens zwei Sitzungen à 180 Min. eingeplant werden.
Phase 1
Erklären
Zu Beginn werden die Methode, die Themenfelder und das Vorgehen vorgestellt. Die Teilnehmenden erhalten eine Einführung in die Betrachtung von Organisation, Technik und Mensch als zentrale Dimensionen des Veränderungsprozesses. Dabei wird betrachtet, wie sich Veränderungen in einem Bereich auf die anderen Bereiche auswirken können: beispielsweise welche organisatorischen Rahmenbedingungen für den Einsatz einer neuen Technologie erforderlich sind, wie sich Arbeitsabläufe dadurch verändern und welche Anforderungen oder Unterstützungsbedarfe sich für die Beschäftigten ergeben.
Phase 2
Analyse
Die Gruppe bearbeitet die Fragen der Betriebslandkarte und sammelt Einschätzungen, Beobachtungen und Erfahrungen zur aktuellen Situation im Unternehmen. Die Leitfragen beziehen sich auf die drei Bereiche Mensch, Organisation und Technik und helfen dabei, bestehende Strukturen, Herausforderungen und Veränderungsbedarfe systematisch zu erfassen.
Mögliche Leitfragen orientieren sich an den drei Dimensionen Organisation, Technik sowie Mensch und Arbeit:
Organisation
Welche zentralen Aufgaben und Arbeitsprozesse gibt es?
Welche Schnittstellen zu anderen Bereichen bestehen?
Welche wichtigen Veränderungsprozesse gibt es aktuell oder sind zukünftig zu erwarten?
Technik
Welche Software und digitalen Systeme werden genutzt?
Welche digitalen Technologien sind für die Arbeit besonders relevant?
Welche digitalen Technologien oder Digitalisierungsprojekte sollen zukünftig eingeführt bzw. umgesetzt werden?
Mensch und Arbeit
Wie verändern digitale Technologien Tätigkeiten und Arbeitsanforderungen?
Welche neuen Kompetenzen, insbesondere IT-Kompetenzen, werden benötigt?
Sind die Beschäftigten ausreichend auf ihre Aufgaben und die Veränderungen vorbereitet?
Phase 3
Reflexion
Die Ergebnisse werden gemeinsam betrachtet. Die Teilnehmenden diskutieren, welche Erkenntnisse sichtbar werden, welche Aspekte fehlen und welche Themen für die nächsten Schritte besonders relevant sind.
Erfahrungen aus der Praxis
Die Methode benötigt ausreichend Zeit für Vorbereitung, Einführung und Durchführung. Besonders wichtig ist eine gute Visualisierung der Ergebnisse, da dadurch Zusammenhänge und Wechselwirkungen leichter erkennbar werden. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Interessen und Hierarchieebenen an einen Tisch zu bringen. Offenheit, Dialogbereitschaft und eine konstruktive Gesprächskultur sind entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung.
Praxisbeispiele

Digitalisierung voranbringen mit beteiligungsorientiertem Ansatz
Ein Berliner Unternehmen befand sich in einer umfassenden organisatorischen und digitalen Veränderungsphase. Neben der Einführung einer neuen Software sollten Transparenz, […]
Einordnung und Abwandlung im Beratungsansatz des Zukunftszentrums
Die Betriebslandkarte wurde ursprünglich von DGB, IG Metall, NGG und IG BCE für die Arbeit mit Interessenvertretungen entwickelt. Für den Einsatz im Zukunftszentrum Berlin wurde die Methode vereinfacht und für unterschiedliche Rollen im Unternehmen geöffnet. Sie gehört zur Tradition partizipativer Analyse- und Dialogmethoden und unterstützt Unternehmen dabei, vor Veränderungsprozessen eine gemeinsame Sicht auf ihre Ausgangslage zu entwickeln. Im Beratungsansatz des Zukunftszentrums fördert sie den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteur:innen und schafft eine Grundlage für gemeinsame Planung, Verständigung und Beteiligung.