MVP-Methode (Minimum Viable Product)
Mit der MVP-Methode (Minimum Viable Product) konzentrieren sich Teams auf die kleinstmögliche, testbare Umsetzung einer Idee. Annahmen lassen sich früh überprüfen, wertvolles Nutzerfeedback kann eingeholt und Entscheidungen hinsichtlich realer Erkenntnisse getroffen werden. So entsteht aus vielen Ideen und Anforderungen eine erste umsetzbare Version eines Produkts oder einer Dienstleistung.
Vorgehensweise
Die Teilnehmenden sammeln zunächst alle Anforderungen, Ideen und Erwartungen an das geplante Produkt oder die Dienstleistung. Danach wird gemeinsam festgelegt, welche Funktionen für einen ersten Praxistest zwingend erforderlich sind. Dabei werden Mindestanforderungen von späteren Erweiterungen unterschieden. Die priorisierten Inhalte werden anschließend in einem MVP-Template dokumentiert und bilden die Grundlage für die weitere Umsetzung und Erprobung.
Ablauf
Phase 1
10-15 Min
Sammeln
Alle Ideen, Anforderungen, Wünsche und Funktionen werden gesammelt. Die Beiträge werden zunächst nicht bewertet. Ziel ist es, möglichst viele Perspektiven sichtbar zu machen.
Phase 2
10-15 Min
Strukturieren und Clustern
Ähnliche Inhalte werden zusammengeführt, Doppelungen reduziert und Schwerpunkte sichtbar gemacht. Die Gruppe schafft eine gemeinsame Übersicht über die gesammelten Anforderungen.
Phase 3
25-30 Min
Minimum definieren
Die Teilnehmenden entscheiden, welche Bestandteile für einen ersten Praxistest unverzichtbar sind. Die Anforderungen werden den Kategorien „Minimum“, „Erweiterung“ oder „Weglassen“ zugeordnet und anschließend im MVP-Template festgehalten.
Erfahrungen aus der Praxis
Teams diskutieren häufig lange über Ideen, vermeiden aber verbindliche Entscheidungen. Die Methode hilft, Prioritäten zu setzen und einen klaren Fokus zu entwickeln. Dabei sollte die Moderation darauf achten, dass die Zielgruppe eindeutig definiert wird und Detaildiskussionen den Blick auf den Kernnutzen nicht verdrängen. Wichtig ist außerdem, das spätere Testen bereits mitzudenken und zugrunde liegende Annahmen sichtbar zu machen, damit daraus konkrete Lern- und Evaluationsschritte entstehen können.
Praxisbeispiele
Praxisbeispiel MVP-Methode (Minimum Viable Product)
Ein Berliner Sozialunternehmen in Gründung suchte Unterstützung bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells. Ziel war es, zusätzliche Dienstleistungen aufzubauen und die finanzielle Basis des Unternehmens zu stärken. Gemeinsam wurden bestehende Ideen strukturiert, priorisiert und zu einem ersten testbaren Angebot weiterentwickelt. […]
Einordnung und Abwandlung im Beratungsansatz des Zukunftszentrums
Die MVP-Methode ist in nutzerzentrierten und agilen Vorgehensweisen verankert und wird unter anderem im Design Thinking sowie in agilen Entwicklungsansätzen eingesetzt. Statt Lösungen vollständig vorauszuplanen, werden Annahmen frühzeitig anhand einer ersten umsetzbaren Version überprüft. Im Beratungsansatz des Zukunftszentrums unterstützt die Methode Organisationen dabei, Ideen und neue Geschäftsmodelle mit überschaubarem Aufwand zu erproben und aus den Ergebnissen zu lernen. Sie stärkt eine experimentelle Arbeitsweise, fördert Nutzerorientierung und hilft Teams, vom Planen ins Handeln zu kommen. Im Unterschied zum Prototyping zielt die Methode auf eine tatsächlich nutzbare und testbare erste Version ab, die bereits am Markt oder mit Zielgruppen erprobt werden kann.
