Unternehmensnachfolge ist weit mehr als ein strukturiertes Übergabeprotokoll. Sie ist ein Balanceakt zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Bewahren und mutigem Neudenken. Genau darum drehte sich die gemeinsame Veranstaltung vom Zukunftszentrum Berlin und FKU – Friedrichshain-Kreuzberger Unternehmerverein.

Was an diesem Abend deutlich wurde: Die größten Herausforderungen liegen nicht in Verträgen oder Zahlen, sondern in uns Menschen.

„Veränderungsprozesse brauchen Zeit“ – Johanna Bohm, Algonet

Für Johanna Bohm war klar: Die Nachfolge bedeutet nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern auch, Modernisierung mit Fingerspitzengefühl voranzutreiben.

Sie beschreibt sich selbst als „etwas digital-affiner“ als ihr Vorgänger und dennoch hat sie gelernt, dass Wandel Zeit braucht.

Ein Beispiel: Die klassische Fax-Auftragsbestätigung. „Eigentlich nicht mehr notwendig, aber sie hat Sicherheit vermittelt. Also haben wir sie im Einzelfall beibehalten.“ Statt „mit dem Hammer“ alles neu zu gestalten, setzte sie auf Dialog, Feedback und Vertrauen im Team. „So wächst man gemeinsam. Manchmal geht es zwei Schritte zurück, um anschließend wieder gemeinsam voranzukommen.“

Ihr Fazit: Mut gehört dazu. Und Geduld.

„Je früher, desto besser“ – Björn Schlesiger, Björn Schlesiger Akustik- & Trockenbaugesellschaft mbH

In der Baubranche, so Björn Schlesiger, sei Ellenbogenkultur keine Seltenheit. Umso wertvoller ist ein Nachfolger, der aus eigenem Antrieb kommt und Interesse zeigt.

Mit der schrittweisen Übergabe wuchs auch die Erkenntnis:

„Die Firma ist mehr als ein Betrieb – sie ist Herzblut. Kunden sind nicht nur Kunden, sie werden zu Wegbegleitern.“

Und Nachfolge bedeutet, neuen Ideen Raum zu geben. „Auch wenn man es anders machen würde, man muss sagen können: Mach.“

Sein Impuls: Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch das Loslassen können.

Nachfolgezentrale Berlin: Matching für die Zukunft

Der HK-Fachreferent Unternehmensnachfolge Timur Türel Sastimdur beschrieb die Nachfolgezentrale Berlin als „eine Art Parship für Unternehmen“. Viele Unternehmen, besonders aus dem Dienstleistungsgewerbe, suchen passende Übergaben oder Nachfolger*innen und externe Expertise ist dabei häufig der entscheidende Schlüssel. Gerade in einer Zeit des demografischen Wandels wird frühzeitige Planung zur strategischen Aufgabe. Externe Unterstützung hilft nicht nur fachlich, sondern schafft oft auch die notwendige emotionale Entlastung im Prozess.

Digitalisierung als strategischer Hebel für die nächste Generation

Im Rahmen der lebendigen Diskussion mit den Teilnehmenden wurde ein wichtiger Impuls gegeben: Digitalisierung ist nicht nur ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung,  sie kann auch zur strategischen Positionierung der nächsten Generation beitragen. Gerade für Nachfolger*innen eröffnet sie Freiräume, eigene Akzente zu setzen und das Unternehmen moderner aufzustellen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass neue Digitalisierungsprojekte, das Loslassen für die ältere Generation erleichtern: Wenn lange aufgeschobene Themen strukturiert angegangen werden, schafft das Klarheit, Transparenz und das Gefühl, das Unternehmen in zukunftsfähigen Händen zu wissen.

Das Zukunftszentrum Berlin begleitet kleine und mittlere Unternehmen auf dem Weg der Modernisierung, gerade dort, wo Digitalisierung und menschliche Faktoren ineinandergreifen.

Technik kann Strukturen schaffen, aber nur Menschen schaffen Vertrauen. Digitalisierung kann entlasten, aber nur ein guter Prozess ermöglicht echtes Loslassen. Damit wird klar: Nachfolge gelingt, wenn Herz und System zusammenfinden.

„Wer Modernisierung, Digitalisierung und Emotionen zusammendenkt, gestaltet Nachfolge nicht nur erfolgreich – sondern zukunftsfähig“, so Leonie von Ungern-Sternberg, Moderatorin der Veranstaltung und Beraterin beim Zukunftszentrum Berlin.

Der Beitrag wurde verfasst von Leonie von Ungern-Sternberg

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